„Lebt die Menschheit nicht in dauerhafter Sehnsucht?“
Schwarze Mappen, schwarze Mappen und noch mehr schwarze Mappen – alles was ich sah, als ich Ende März die „Le Book Connection“-Messe in den Hamburger Deichtorhallen betrat. Verständlich. Immerhin wurden hier, parallel zu der Verleihung der „Lead Awards“, die Portfolios von über 1000 Fotografen, Illustratoren und Stylisten gezeigt. Nach zwei Stunden “Finger wund Blättern” endlich die Erlösung: Am Stand einer Londoner Agentin entdeckte ich, neben noch mehr schwarzen Mappen, lose Blätter mit verschiedenen Fotostrecken: „That´s Daniel Sannwald`s work – he is so fresh, he hasn´t a portfolio yet. But believe me – he is gonna be the next big thing!” Das glaubte ich ihr nur zu gerne und bat Herrn Sannwald direkt zum Gespräch.
Lass uns zum warm werden eine kleine Runde „Entweder-oder-Ping-Pong“ spielen. Ok?
Ok!
Los geht´s:
Perfektion oder Bauchgefühl? Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?
Bauchgefühl.
Schwarz-Weiß oder Farbe?
Ich fotografiere gern in Schwarz-Weiß, wenn ich mit meiner 35 mm Kamera arbeite. Ich hab eine ganz alte Canon und eine alte Nikon – die machen phantastische Aufnahmen. Das Korn einer Kleinbildkamera und Schwarz-Weiß gehen gut zusammen. Zurzeit fotografiere ich aber auch ich viel in Farbe – ich liebe schwache, warme und weiche Farben.
Analog oder digital?
Kommt darauf an… mache beides ganz oft.
Retusche oder Natur?
Das kommt ganz auf meine Idee des Bildes an, ich nutze die Photographie ja mehr als Objekt – und es endet bei mir meist nicht mit der schlichten Aufnahme. Ist das Foto erst geschossen, addiere ich die Manipulationen: Von handgearbeiteten Collagen, Malereien und digitalen Überarbeitungen bis zu richtig aufwändigen CGI-(”computer generated imagery”) Welten, die nachträglich in meine Bilder eingesetzt werden…Und manchmal eben auch einfach gar nichts. Ganz pur, ganz simpel. Das kommt wirklich auf das Bild an.
So, genug aufgewärmt: Du hast bereits für große Namen wie Louis Vuitton und „Dazed & Confused“ gearbeitet. Wann wusstest du eigentlich, dass du Fotograf werden möchtest?
Eigentlich nie. It just happend… aber es macht mir unheimlich Spaß.
Bestimmt hast du sie auch mit deinen surrealen Bildwelten beindruckt. Beschreibe sie uns doch mal!
Das ist schwer, da meine Arbeiten sehr eklektisch sind. Vielleicht solltet ihr dafür einfach in meinem ersten Buch blättern. Da bekommt man einen guten Überblick über all meine bisherigen Arbeiten. Im Zusammenhang wird vieles klarer.
Hier könnt ihr alles über das Werk erfahren:
Was macht ein gutes Foto aus?
Es gibt keine Anleitung für ein „gutes Foto“. Ich würde sagen, das Foto muss kommunizieren.
Das Motiv ist ja auch nicht ganz unwichtig für das Gelingen eines Fotos. Wen oder was würdest du gerne mal fotografieren?
Das ändert sich täglich.
Und wen oder was würdest du niemals fotografieren?
Ich würde mich schwer tun mit dokumentarischen Aufnahmen von Gewalt.
Schnell zurück zu den positiven Dingen – das schönste Bild, das du je gesehen hast?
Jeden Morgen, wenn ich zuhause in London in meinem Haus aufwache und sehe, dass ich nicht allein bin. Das Nebeneinander-Wach-Werden ist für mich die schönste Moment-Aufnahme, das schönste Bild.
Letzte Frage: Wonach hattest Du das letzte Mal Sehnsucht?
Lebt die Menschheit nicht in dauerhafter Sehnsucht?













