Lese-Lust // Buchkritik
Erotik für Frauen ist schon lange Trend statt Tabu. Das beweisen nicht nur die Mädels von Alley Cat: Erotik-Shops für Frauen, Dildo-Fee-Parties und jetzt auch noch ein Erotik-Roman. „Die Bienen Königin – Roman einer Begierde“ von der Society-Legende Gloria Vanderbilt. Genauso glamourös wie die Autorin ist auch die Aufmachung der 133 Seiten starken Lektüre: Schwarze, fließende Seide. Die darauf gestreuten Diamanten formieren sich zum weiblichen Bermuda-Dreieck. Fuchsia farbene Seitenkanten und ein goldener Buchdeckel, der frech unter dem schwarzen Einband hervor blitzt. Mal sehen, ob der Inhalt genauso verlockend ist wie die Hülle…
„Ich werde die Zunge um den Rand des Gliedes kreisen lassen, mit zartem Druck, mal mehr, mal weniger und wenn Dein Atem schneller wird und Deine Lider zu flattern anfangen, werde ich es ganz in den Mund nehmen und mit einem ganz besonderen Kuss beglücken.“ Das ist noch eine der harmloseren Stellen. Ja, die 85 –jährige Gloria Vanderbilt nimmt den Mund ganz schön voll oder anders gesagt: sie nennt die Dinge beim Namen. Beschreibt den Liebesakt sehr explizit. Skandalöser als die Ausführungen jedoch, ist die Handlung: 95 % des Buches sind in Brief-Form gehalten. Absender und Empfänger sind „Bee – die Bienen Königin“ und der Star-Architekt Talbot Bingham. Soweit, so gut. Und wo ist jetzt der Skandal? Dieser personifiziert sich in Form der gehörnten Ehegattin Priscilla Bingham. Sie war die perfekte Ehefrau und ein schmeichelndes Accessoire – zumindest fast. Leider fehlte ihr jegliche Lust am sexuellen Akt. Nach dem Ableben ihres Mannes erfährt sie von dessen doppeltem Spiel. Und muss feststellen, dass er sie mehr durchschaute, als ihr lieb ist.
Skandal-Faktor: Wer zum ersten Mal erotische Literatur liest, wird an manchen Passagen geschockt sein. Für alle Fortgeschrittenen bietet der Roman jedoch wenig Überraschendes.
Erotik-Faktor: Klar, ab und an hat es schon gekribbelt. Wer aber nicht auf Sado-Maso-Praktiken steht, wird dieses Buch als wenig anregend empfinden.
Literatur-Faktor: Teilweise ist es schwierig den Handlungsstrang zu verfolgen. Gloria Vanderbilt wechselt zwischen Briefen von Bee und Talbot, den Reaktionen von Priscilla und Fantasien der beiden Protagonistinnen hin und her. Auch die Sprache ist stellenweise etwas antiquiert, was weder der Lesefreude noch dem Erotik-Faktor zu Gute kommt.
Dem Buch ist ein übergroßer Medienrummel vorausgeeilt, demensprechend hoch waren die Erwartungen. Es ist schwer diesen gerecht zu werden – selbst für eine Bienen Königin.




das spannende an dem buch wird doch einfach sein, dass man immer die glamouröse gloria vor augen hat. ausserdem denke ich auch dass es glaubhafter als die orgien von helene hegemann ist…
kennst du das video in dem sie sich auf style.com mit diane von fürstenberg unterhält? man würde nie denken, dass sie schon soooo alt ist.
auch wenns ein frauenbuch zu sein scheint, klingts trotzdem interessant!
Klar, ich rate ja auch nicht davon ab es zu lesen. Frauenbuch – ja & nein: Wer Blümchensex erwartet wid enttäuscht…Hatte es mir nur irgendwie anders vorgestellt. Aber so ist das ja oft, wenn man vorab zu viel über etwas liest…mit Helene gebe ich Dir Recht – Gloria hat bestimmt schon so Einiges mehr erlebt als sie ;-)
Das Interview kenne ich noch nicht, werde das aber direkt nachholen. Danke für den Tipp!