Mittwoch 4. November 2009 | Anna | Hingabe | Kommentare (0)

Durchgeblättert

via ELLE„Sehnsucht geht einfach. Man braucht bloß daran zu denken, wie es anders sehr viel besser wäre.“

So beginnt der Artikel zum Thema „Sehnsucht“ in der Septemberausgabe der ELLE. Wie passend! Schon die ersten beiden Sätze haben mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe darüber gegrübelt, wie es anders sehr viel besser wäre und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es bei mir gerade nicht besser sein könnte. Ich bin glücklich. Doch empfinde ich deshalb keine Sehnsucht? Das würde unsere Vorstellung von Sehnsucht komplett über den Haufen werfen. Aber erst mal abwarten, was der Artikel noch so bringt.

Im nächsten Absatz wird es dann spannend. Eine Psychologin kommt hinzu. Oder vielmehr eine der wenigen Sehnsuchtsforscherinnen Alexandra Freund. „Sehnsucht ist fast körperlich lokalisierbar“, so die Psychologin. Und wieder versuche ich ganz tief in mich hineinzufühlen. Nichts. Vielleicht weil ich zufrieden bin? Ich höre mich um. Frage nach. Aber das Gefühl von Sehnsucht kann mir niemand so richtig beschreiben. Vor allem nicht körperlich. Liebe? Klar, wie Schmetterlinge im Bauch. Ein Kribbeln. Trauer fühlt sich wie ein Kloß im Hals an und Liebeskummer tut im Herzen furchtbar weh. Aber Sehnsucht…Wo soll die sein? Im Kopf, im Bauch oder in der Fußspitze? Laut ELLE ist es ein leichtes Ziehen in der Brust. Wie langweilig. Ich lese also weiter und schon wenige Absätze später trifft mich ein leichter Schlag.

Ich lese die Sätze immer und immer wieder. „Das ist der Unterschied zu Plänen oder Zielen. Ziele sind konkret, zumindest im Prinzip erreichbar und kontrollierbar. Sehnsüchte dagegen sind dies nicht.“ Ich soll mir also meine Sehnsüchte nicht erfüllen können? So ein Quatsch. Eine meiner Sehnsüchte war immer frei ohne Regeln über Mode, Kunst und Kultur zu schreiben. Diese Sehnsucht hat mich angetrieben, mein oft sehr anstrengendes Studium durchzuziehen und Hindernisse zu überwinden. Ha, und der „lebendige“ Beweis, dass meine Sehnsucht erfüllt wurde, ist unser Onlinemagazin. Aber weiter im Text. Laut Frau Freund drehen sich Sehnsüchte immer um Grundmotive des Lebens. Um Freundschaft, Liebe und Erfüllung. Um Glück, Aufgehobensein, Verstandenwerden. Okay, ich stimme zu, dass sich meine größten Wünsche auch meist um solche Dinge gedreht haben, aber gerade neulich stand ich vor Chanel, betrachtete wie so oft meine Traumtasche und ich würde sagen, da überkam mich ein klein wenig Sehnsucht. Und das geht sicher nicht nur mir so. Generell stimme ich der Aussage zu, dass Sehnsucht ein Gefühl ist, dass uns antreibt. Da bin ich mir sicher. Aber die bereits erfüllte Sehnsucht kann trotzdem anhalten. Wieder bewiesen an unserem Beispiel. Wir haben uns unsere Sehnsucht erfüllt mit sehnsucht-ist.com, dennoch machen wir weiter, denn die Sehnsucht, dass alles weitergeht bleibt ja trotzdem. Ich finde es allgemein schwer Gefühle zu beschreiben, aber Sehnsüchte lassen sich erfüllen. Dennoch ist das letzte Zitat des Artikels eines der wichtigsten und das, dem ich am ehesten zustimmen würde. „Problematisch wird es nur, wenn man Sehnsüchte nicht mehr kontrollieren, sie nicht mehr abstellen kann.“ Natürlich darf man sich nicht in etwas aussichtsloses verrennen, aber so lange man sich davon antreiben lässt, ist Sehnsucht etwas Gesundes und Schönes, das Hand in Hand geht mit Wünschen, Zielen und Träumen.


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