Dienstag 27. April 2010 | Anna | Erfüllung | Kommentare (3)

Montag 10. März, München, Dachauerstraße

via erlebnis-direkt.deWer die Dachauerstraße kennt, weiß warum ich etwas ängstlich geschaut habe, als ich um 19 Uhr an diesem besagten Montag aus dem Taxi gestiegen bin. Für alle, die sie nicht kennen: Die Dachauerstraße liegt neben dem Bahnhof. Zwischen Table Dance Bars und dunklen Kneipen soll das Float Spa liegen. Und tatsächlich, ein paar Meter neben einem übel riechenden Chinarestaurant weist ein Schild auf die „mühelose Tiefenentspannung im Zentrum Münchens“ hin. Der Hinterhof ist dunkel. Ich hatte eigentlich einen sanft beleuchteten Wellnesstempel erwartet, umgeben von Springbrunnen und einem kleinen Teich mit Goldfischen. Vielleicht auch eine asiatische Dame, die mich mit einem Jasmintee begrüßt. Selbst meditierende Mönche hätten mich nicht so überrascht wie ein unscheinbarer Mann, der kaum bemerkt, dass jemand in sein kleines Erholungsreich eintritt. Ich trete näher heran an die Theke hinter der er auf seinen Computer starrt. Vorsichtig mache ich mich bemerkbar und erinnere ihn an meinen Termin zum Floating. „Achso, ah ja, ihre Jacke können Sie dort drüben aufhängen“, stammelt er. Erst jetzt bemerke ich die Frau, die mit der unteren Hälfte ihres Körpers in einem Ei steckt, das seltsame Geräusche von sich gibt. Hybrid-irgendwas… Später erfahre ich, dass das eine sehr leichte Art sein soll, um lästige Cellulitis loszuwerden. Ich konzentriere mich wieder auf meinen Gang in den Floating Tank. Ich darf meine Schuhe ausziehen und sie eintauschen gegen Frotteeschlappen.

Der Floatexperte schiebt seine Nickelbrille hoch, führt mich in einen Raum. Ich schaue mich um. Badetücher, warmes Licht, ein mediterran eingerichtetes Badezimmer. Eigentlich wirklich zum Wohlfühlen, wenn da nicht dieses silberne „Ufo“ neben mir stehen würde, welches wohl der Floating Tank sein muss. Ich höre der Einweisung zu, starre aber unentwegt auf dieses Ding, in dem ich gleich 45 Minuten liegen soll. „Der Floating-Tank ist 2,60m lang, 1,45m breit und 1,60m hoch“, erklärt er und ich weiß nicht ob mich das beruhigt oder noch ängstlicher macht, „in ihm befinden sich 300 Liter körperwarmes Wasser, in dem 350 Kilogramm Bittersalz aufgelöst sind. Diese Lösung ergibt mehr Auftrieb als das Tote Meer. Man befindet sich quasi in einer Schwerelosigkeit und erfährt dadurch eine wohltuende Entspannung aller Muskeln.“ Entspannung klingt gut und ein schwereloser Zustand klingt nach einer interessanten Erfahrung. Ich bin gespannt und suche nach dem Wasser im Tank, nur ich kann es nicht sehen. Ich frage danach. „Es ist im Tank, sie können es nur nicht sehen, weil es so klar ist.“ Schon wieder eine Sache, die mir Angst macht und um mich zu beruhigen, rufe ich mir noch einmal die verlockende Beschreibung der Homepage in den Kopf. „Für viele ist der einstündige Aufenthalt in einem Flotarium vergleichbar mit einer Woche Urlaub. Stresserscheinungen sind aus dem Gesicht verschwunden, der Körper ist völlig entspannt.“ Das klingt wie Musik in meinen Ohren und aus dem geöffneten Tank dudeln sanfte Klänge esoterischer Musik. „Am Anfang bleibt das kleine Licht und die Musik an, nach 15 Minuten geht beides langsam aus. Dann beginnt der eigentliche Float. Nach 45 Minuten geht das Licht wieder an und sie werden Imagine von John Lennon hören.“ Ich frage mich warum gerade Imagine gewählt wurde und nach kurzem Schweigen, ich denke er hat auf die Frage gewartet, kommt auch schon die Erklärung: „Wir spielen deshalb dieses Lied, weil John Lennon es in einem Floating Tank komponiert hat.“ Ich stelle mir John Lennon nackt, mit Gitarre in diesem Tank vor und kann mir das Lachen nur schwer verkneifen. Scheinbar blieb das nicht unbemerkt. „Zumindest hat er die Idee dazu bei einem Float gehabt.“ Das klingt viel plausibler und ich stelle mir vor wie ich voll neuer Kreativität und Ideen nach 45 Minuten aus diesem Tank steige. Nervosität, Angst und Vorfreude haben sich jetzt schon seit heute Nachmittag angestaut und ich will jetzt endlich da rein, oder wieder nach Hause gehen. Ich bin mir nicht sicher, aber jetzt gibt es kein zurück mehr.

Ich schließe die Tür hinter meinem „Floatmaster“ und lege meine Klamotten ab. Die Wasser in der Dusche ist kalt, ich drehe es wärmer, nichts. Ich gebe auf und verlasse die Kabine. Noch eine letzte Stufe und ich stehe mit beiden Füßen im Salzwasser. Zunächst nur warm, erst als ich mein Gesäß ins Wasser lasse spüre ich wie ich nach oben gedrückt werde. Dieses Gefühl ist so seltsam… Ich sage mir: „Das ist kein Spaß, sondern ernst. Entspann dich! Wer weiß ob der Typ dich hören kann.“ Ich höre auf mich, lege meinen Kopf zurück und erinnere mich an den letzten Tipp, als mein Nacken zu Schmerzen beginnt. „Am Anfang kann es unangenehm sein den Kopf nach hinten zu legen. Sie sollten die ersten paar Minuten die Arme hinter dem Kopf verschränken“, so der Master of Floating. Ich folge diesem weisen Rat und fühle mich gleich viel besser. Mit der Musik und dem kleinen Licht fühle ich mich pudelwohl, sogar etwas entspannt und diese Schwerelosigkeit ist wirklich ein spannendes Gefühl. Ich spüre mich nicht richtig und fühle mich ganz leicht. So sollte es jeden Tag sein. Ich frage mich wie viel Zeit schon vergangen ist. Mir kommt es vor, als würde ich schon mindestens eine halbe Stunde hier vor mich hin dümpeln. Allerdings höre ich immer noch die sanften Melodien. Ich erlaube mir mein rechtes Auge ein wenig zu öffnen und sehe auch noch das kleine Licht. Das heißt, ich liege noch nicht mal 15 Minuten in diesem Ei. Langsam wird mir langweilig. Ich versuche mit meinem Körper ein S zu schwimmen. Ich schlängle mich hin und her, doch das erweist sich als grober Fehler. Mein Körper fängt plötzlich an zu brennen und zu stechen. Völlig verwirrt versuche ich den Grund dafür zu finden. Kurz bevor ich beschließe den Tank zu verlassen, spüre ich, dass das Stechen von dem Salz kommt, das auf meinem Körper trocknet. Wunderbar, eine neue Beschäftigung. Ich kratze das Salz von meinem Bauch, der leicht aus dem Wasser herausschaut. Damit kann ich mich immerhin ablenken und als das Licht ausgeht entscheide ich mich nun den totalen Float zu genießen.

Langsam beginnen sich meine Muskeln zu entspannen. Meine Gedanken schweifen ab in die Tiefen meiner Psyche. Mit diesen Gedanken schleicht sich ein beklemmendes Gefühl in den Tank. So viel über sich und sein Leben nachzudenken erscheint mir doch ziemlich anstrengend. Ich erwische mich wieder dabei wie ich jeden Muskel meines Körpers anspanne und zwinge mich ruhig zu werden. Das klappt Gott sei Dank. Ca. 10 gefühlte Minuten später überkommt mich das Gefühl, verrückt zu werden. Ich stelle mir vor wie jemand die Tür zu meinem Erholungsreich aufbricht und mich in diesem Ufo ertränkt.

Zum wiederholten Male beschließe ich den Tank zu verlassen, lasse es aber doch und reiße mich zusammen. Ganz schön anstrengend dieses Entspannen. Ich schaffe es aber tatsächlich und als ich gerade von Strand und Meer träume, schleicht sich John Lennon singend in diesen Traum. Den wünsche ich mir sicher nicht nackt und Imagine-singend. Und da ist auch schon das angekündigte Licht. „Sie können gerne noch das Lied zu Ende hören, aber dann müssen sie den Tank verlassen“, erinnere ich mich an die großen Worte des Float-Gurus. Nein, danke. Ich verzichte auf dieses musikalische Erlebnis und sage 300 Litern Wasser im silbernen Tank Auf Wiedersehen.

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3 Kommentare zu “Montag 10. März, München, Dachauerstraße”

  1. kathrin sagt:

    das hört sich ganz gut an, habt ihr nen link für mich?
    :)

  2. Anna sagt:

    http://www.floatspa.de/

    Gib uns mal Bescheid wies war :)

  3. Andre sagt:

    Das Float Spa Center ist nicht mehr in der Dachauerstrasse.
    Es ist jetzt in Neuhausen, in der Donnersbergerstrasse 55.
    Sehr, sehr schön.

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